Sport im Alter

Veröffentlicht auf von Michael Eder

Hey Alter, was machste denn so an Sport? 
Wenn man die flapsige Anrede biologisch nimmt,
kann die Antwort zum Beispiel lauten: Nun, ein wenig Wassergymnastik 
und, an schönen, klaren Tagen, auch mal eine kleine Runde mit dem Rollator.

Diese Antwort freilich ist eher selten geworden, denn in Zeiten,
in denen sich nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch 
die Erwartung ans Leben immer weiter in die Zukunft schiebt, 
muss sich der moderne Mensch auf seinem langen Weg zu Methusalem 
notgedrungen ein wenig die Zeit vertreiben – und was eignete sich 
dazu besser als körperliche Betätigung?An geeigneten sowie 
erschwinglichen Hilfsmitteln fehlt es ja nicht, die Chemie hat Viagra entwickelt 
und die Sportartikelindustrie Golfschläger. Mancher Senior gibt sich damit
aber nicht zufrieden, und so hat in den Vereinigten Staaten von Amerika
jetzt der Basketballspieler Ken Mink für Aufsehen gesorgt.

   Der Forward der Universität Roane State im Bundesstaat Tennessee
erzielte bei seinem ersten Einsatz für das Collegeteam gleich zwei Punkte,
was im Normalfall nicht für die ganz großen Meldungen reichen würde,
aber der Mann ist ja schließlich auch nicht mehr der Jüngste.
Der rüstige Student ist Jahrgang 1935, mithin 73 Jahre alt,
und hat sich mit zwei verwandelten Freiwürfen gerade den Eintrag
ins Guinness-Buch der Rekorde verdient.

   Einen Altstudenten im Team kann man jeder Mannschaft nur empfehlen.
Er sorgt nicht nur für mediales Interesse, sondern kann die Mitspieler
auch mit Geschichten aus der guten alten Zeit unterhalten.
Als Mink zum Beispiel in jugendlichem Alter auf Punktejagd ging,
war Dwight D. Eisenhower Präsident des Landes, und damals, sagt Mink,
sei er mit 1,80 Metern noch eine der Basketballgrößen im Team gewesen;
heute erinnerten ihn seine Gegner eher „an das World Trade Center“ –
ein Bild, das sicherlich gut gemeint, aber doch etwas unglücklich gewählt war.
 Roane-State-Coach Randy Nesbit jedenfalls will seinen Senior „langsam aufbauen“,
ihm, wie es so schön heißt, alle Zeit der Welt geben, um sich weiter zu verbessern.
Alle Zeit der Welt – mehr kann man nun wirklich nicht erwarten,
vor allem nicht im Alter.


November 2008

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