Schach per Postkarte

Veröffentlicht auf von Michael Eder

    Herr Professor Kreuzer, Sie haben mit der deutschen Mannschaft
gerade die Fernschach-Olympiade gewonnen. Wie lange hat es gedauert,
bis Sie am Ziel waren?

 

    Dreieinhalb Jahre. In der Finalrunde waren elf Nationalteams vertreten, und man spielt alle Partien parallel, ich habe am dritten Brett also zehn Partien gleichzeitig gespielt.

 

    Wie werden die Züge übermittelt?

 

    Das kommt auf den Modus an. Früher hat man per Postkarte gespielt,
dann per Fax, per E-Mail oder über einen Server. Die aktuelle Olympiade
 ist wieder per Postkarte gespielt worden.

 

    Sie haben in Zeiten des Internet per Postkarte gespielt?

 

    Ja, das wechselt. Die Olympiade vorher ist per E-Mail gespielt worden.

   
Welche Art der Übermittlung bevorzugen Sie?

 

    Ich spiele eigentlich nur Postturniere, weil ich es beruflich nicht schaffe, E-Mail- oder Serverturniere zu spielen, da gibt es ja keine Postlaufzeit, das heißt, wenn der Gegner will, ist die Antwort sofort da, dann ist man in vielen Partien permanent am Zug, und das ist ganz schön stressig.

 

    Wie lange haben Sie Zeit, um einen Zug zu beantworten?

 

    Im Durchschnitt drei Tage. Dreißig Tage für zehn Züge. Es zählt der Poststempel.

 

    Drei Tage, und der Computer steht zu Hause - hört sich an,
als ob der bessere Rechner, das bessere Schachprogramm gewinnt.

 

    Das ist absolut nicht der Fall. Die Rechner werden eingesetzt, um taktische Fehler zu minimieren, aber ein Fernschach-Großmeister spielt strategisch deutlich besser als ein Computer. Bei zehn, fünfzehn Zügen voraus hat der Rechner keine Chance, die richtige Strategie zu finden.

 

    Das heißt: Der Computer ist dem Menschen doch nicht überlegen?

In einem normalen Schachturnier möchte ich nicht gegen einen Computer spielen, der rechnet einen einfach tot. Je kürzer die Bedenkzeit, desto größer ist seine Überlegenheit. Im Blitzschach ist er seit zehn Jahren besser als der Mensch, im Turnierschach steht es unentschieden, aber im Fernschach, da ist der Mensch noch stärker.


Martin Kreuzer ist Professor für Mathematik in Passau.


September 2008
 

 

 

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